Rabearosa Purpurblau

Ein Wollaholik gelobt Besserung

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Der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung ist es, das Problem zu erkennen.

Der zweite: es zu verdrängen.

Man kommt damit zwar nicht sehr weit, hat aber für eine kurze Zeit das berauschende Gefühl, das Problem aus der Welt geschafft zu haben.

Ein Wollaholik hat zunächst einmal kein Problem, sonder einfach nur zu wenig Zeit, um alle geplanten Projekte in Angriff nehmen zu können.

Wäre da nicht der ständige Nachschub an neuen Ideen und der schleichende Verlust der Übersicht über Geplantes und Aufgestautes, käme er gar nicht auf die Idee, ein Problem zu haben.

Schließlich haben alle, die schöne Strickmaterialien lieben, überquellende Vorratsschränke, vollgestopfte „Arbeitszimmer“ und die Wohnung voller Ufos. (Ist ja auch doof, im Sommer die im Winter angefangenen Wollschals und im Winter die im Sommer nicht geschafften Tops fertigstricken zu wollen. Es gilt auch hier der Grundsatz, dass der falsche Zeitpunkt nicht der richtige ist.)

Beim gelegentlichen Umsortieren oder im Zuge der alle Jubeljahre stattfindenden Ausmistaktion stellt man dann doch eines Tages fest, dass es fast nichts gibt, was man nicht schon hat und von dem man gar nicht mehr weiß, dass man es hat. Wozu, warum und wann man es erworben haben soll, steht leider selten drauf und dass es einmal gefallen haben soll, hält man in einigen Fällen sogar für ein Gerücht.

Spätestens hier beginnt es langsam aufzukeimen, das Gefühl, ein klein wenig mit den Einkäufen übertrieben zu haben.

In der folgenden Nacht schläft man schlecht. Ständig in Angst vom schieren Gewicht des aufgetürmten Wollbergs erdrückt zu werden, strickt man um sein Leben und sieht sich dennoch stets neu hinzukommenden (bereits bestellten und unmittelbar vor der Anlieferung stehenden) Paketen gegenüber.

Im Morgengrauen hat man die erlösende Erkenntnis: das überschüssige Zeug muss weg.

Schon träumt man von aufgeräumten, übersichtlichen Regalen, in denen die (wenigen), in (beschrifteten!) Ikea-Schachteln ordentlich gestapelten Wollvorräte im Einklang mit den (handverlesenen) Büchern und Anleitungsheften dem Besitzerstolz schmeicheln.

Im Kleiderschrank befindet sich Kleidung, in Schuhkartons Schuhe und keine vollgestopften (Woll-)Tüten hier und dort verderben mehr die käuflich erworbenen Freuden.

Der Entschluss steht fest: es wird nichts mehr dazugekauft, bevor das Depot nicht aufs erträgliche Maß reduziert, gnadenlos aussortiert und von allen zweifelhaften Käufen befreit worden ist.

Vor lauter Zufriedenheit mit sich selbst wegen der unglaublich selbstkritischen und konsequenten Art der Problembewältigung verschläft man am nächsten Morgen.
Aber das ist ein ganz andere Geschichte.

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