Rabearosa Purpurblau


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Ein Wollaholik sieht rot

Alle Jubeljahre einmal wühlt sich ein Wollaholik durch die angehäuften Wollschätze auf der Suche nach einem ganz bestimmten vor Urzeiten erworbenen Garn.  So geschen vor einiger Zeit auch bei mir. Dabei stellte ich erstaunt fest, dass Kaufanfälle offensichtlich farblichen Phasen unterliegen. Wie sonst ist zu erklären, dass die wolligen Anschaffungen der letzten Zeit ausschließlich der Familie der Rottöne angehören?

Hier ein Beispiel:

101_0554

Oder einmal anders angerichtet:

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Braucht ein Wollaholik Hilfe?

Die Antwort vorab:  Ganz sicher.

Aber:

Er will sich nicht haben.

Die Wollsucht wird nicht nur akzeptiert und als quasi naturgegeben angesehen,

sie ist fast schon die Grundvoraussetzung  für die Zugehörigkeit im Club der Strick-Kreativen.

Wer bei Ravelry und Co. kein Wollaholik ist, der möge aufstehen!

 

Schließlich haben wir uns die Wollsicht in Jahren erworben und in unzähligen Anläufen „abzugewöhnen“ versucht. Wir haben uns Bewegungen wie „Use what you have“ angeschlossen, kistenweise Wollreste verschenkt und uns selbst ebay-Verbote auferlegt.

Danach die Vorratslager geräumt und unsere ganze Willensstärke aufgewendet, um ein-zwei Strickteile lang durchzuhalten.

Die Erfolgreichsten unter uns schafften es einpaar Monate.

Die Loser keine Woche.

Der Rückfall folgte in jedem Fall  so heftig wie vorhersehbar.


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Globalisierungsopfer

Ein Wollaholik ist nicht zwangsweise nur auf Verstrickbares programmiert.

Schöne Stoffe, Perlen, Farben, diverse Kurzwaren und Bücher können ebenso heftige Anfälle von Kaufrausch auslösen wie Tücher- und Sockengarne, japanische Anleitungshefte und Strickutensilien aus Edelholz.

Ich habe – wie nicht anders zu erwarten – auch eine beträchtliche Bibliothek mit japanischen Handarbeitsbüchern und Heften zusammengetragen.Yesasia , Amazon und Junku sei Dank, gibt es heutzutage fast nichts mehr, was man nicht bekommt. Die Sachen sind aber auch außergewöhnlich hübsch aufgemacht. Ob es nun zum eigenen Stil passt oder nicht, man kommt nicht umhin, sie schön zu finden und das eine oder andere unbedingt nachmachen zu wollen.

Genau hier gab es früher den berühmten Haken. So zu sagen den letzen Schutzwall gegen unkontrolliertes Konsumieren. Die Original-Materialien – soweit man die nicht-japanische Bezeichnung überhaupt herausbekam, waren im Europäischen Raum kaum und in Übersee nur gegen jenseits der Vernunftgrenze liegende Versandkosten zu bekommen.

War vor einigen Jahren die Beschaffung dieser – dringend benötigten – Waren im Herkunftsland selbst noch sehr mühsam und nur durch Einschleimen bei japanisch-stämmigen oder –sprechenden Menschen zu bewerkstelligen, benötigt man heute nur noch einen handelsüblichen, ans Internet angeschlossenen Computer, eine Kreditkarte und einwenig Zeit. Sehr hilfreich hierbei sind Seiten wie diese.  Hier wird Schrift für Schritt durch die schön beschnörkelte Bestell-Routine geführt. Nach einigen Fehl-Tappern kommt man ans Ziel und darf seine Kreditkarten-Nummer eingeben.

Der Rest ist eine Mischung aus Vorfreude und schlechtem Gewissen.

Ich sag´s doch: die Globalisierung ist an allem schuld.


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Ein Wollaholik gelobt Besserung

Der erste Schritt auf dem Weg zur Besserung ist es, das Problem zu erkennen.

Der zweite: es zu verdrängen.

Man kommt damit zwar nicht sehr weit, hat aber für eine kurze Zeit das berauschende Gefühl, das Problem aus der Welt geschafft zu haben.

Ein Wollaholik hat zunächst einmal kein Problem, sonder einfach nur zu wenig Zeit, um alle geplanten Projekte in Angriff nehmen zu können.

Wäre da nicht der ständige Nachschub an neuen Ideen und der schleichende Verlust der Übersicht über Geplantes und Aufgestautes, käme er gar nicht auf die Idee, ein Problem zu haben.

Schließlich haben alle, die schöne Strickmaterialien lieben, überquellende Vorratsschränke, vollgestopfte „Arbeitszimmer“ und die Wohnung voller Ufos. (Ist ja auch doof, im Sommer die im Winter angefangenen Wollschals und im Winter die im Sommer nicht geschafften Tops fertigstricken zu wollen. Es gilt auch hier der Grundsatz, dass der falsche Zeitpunkt nicht der richtige ist.)

Beim gelegentlichen Umsortieren oder im Zuge der alle Jubeljahre stattfindenden Ausmistaktion stellt man dann doch eines Tages fest, dass es fast nichts gibt, was man nicht schon hat und von dem man gar nicht mehr weiß, dass man es hat. Wozu, warum und wann man es erworben haben soll, steht leider selten drauf und dass es einmal gefallen haben soll, hält man in einigen Fällen sogar für ein Gerücht.

Spätestens hier beginnt es langsam aufzukeimen, das Gefühl, ein klein wenig mit den Einkäufen übertrieben zu haben.

In der folgenden Nacht schläft man schlecht. Ständig in Angst vom schieren Gewicht des aufgetürmten Wollbergs erdrückt zu werden, strickt man um sein Leben und sieht sich dennoch stets neu hinzukommenden (bereits bestellten und unmittelbar vor der Anlieferung stehenden) Paketen gegenüber.

Im Morgengrauen hat man die erlösende Erkenntnis: das überschüssige Zeug muss weg.

Schon träumt man von aufgeräumten, übersichtlichen Regalen, in denen die (wenigen), in (beschrifteten!) Ikea-Schachteln ordentlich gestapelten Wollvorräte im Einklang mit den (handverlesenen) Büchern und Anleitungsheften dem Besitzerstolz schmeicheln.

Im Kleiderschrank befindet sich Kleidung, in Schuhkartons Schuhe und keine vollgestopften (Woll-)Tüten hier und dort verderben mehr die käuflich erworbenen Freuden.

Der Entschluss steht fest: es wird nichts mehr dazugekauft, bevor das Depot nicht aufs erträgliche Maß reduziert, gnadenlos aussortiert und von allen zweifelhaften Käufen befreit worden ist.

Vor lauter Zufriedenheit mit sich selbst wegen der unglaublich selbstkritischen und konsequenten Art der Problembewältigung verschläft man am nächsten Morgen.
Aber das ist ein ganz andere Geschichte.


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Garnspinnereien

Wie viele Socken lang ist der Äquator?

Die Frage ist sicher nicht neu, fällt mir aber wirklich zum ersten Mal ein: Wie viele Kilometer – in Garnlängen gemessen – verstrickt eine durchschnittliche Hobbystrickerin so im Lauf ihrer Schaffenszeit?

Wie viele Pullover muss man stricken, um die Erde einmal zu umrunden?

Lt. Wikipedia ist die angenommene Äquatorlänge exakt 40.075.016,686 m.

Wenn man von einem durchschnittlichen Verbrauch von ca. 1200 m pro Pulli ausgeht, dann sind es (ich lass jetzt einfach mal die 0,686 weg)

40075016 :1200

ergibt  33.395 und einen angefangenen Pullover.

Oder auch 200.375 Paar Socken

Na ja.

So viel werde ich wohl nicht mehr schaffen.

Die Strecke von München nach Hamburg und wieder zurück hab ich aber – rein gefühlsmäßig – schon einige Male verstrickt.

Ich werde ab jetzt einfach mal mitzählen. Mal sehen, wie weit ich noch komm.

Globus umgarnt


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Wollaholik

Ich heiße Helena und bin ein Wollaholik.

Wer jetzt glaubt, ich sei ein Legastheniker dazu, irrt.

Wollaholiker gibt’s.
Ein Wollaholik ist jemand, der nach Woll- und sonstigen Garnen süchtig ist.

Ist diese Krankheit auch noch weitgehend unerforscht, steigt die Zahl der Betroffenen von Tag zu Tag an und – im Gegensatz zu allen anderen bekannten Süchten – ist sie hochgradig ansteckend. Wer das nicht glaubt,
dem sei ein Blick in die Hexenküchen der bekannten Wolldealer empfohlen. Ein Glückskind ist, wessen Warenkorb danach nicht auf magische Weise gefüllt und der Kontostand im Gleichschritt geschrumpft ist.

Nun sei aber doch nicht jeder, der zum Zwecke des Erstellens eines Kleidungsstücks mittels Strick- oder Häkelnadel Wolle oder sonstige Garne erwirbt, ein potentiell Wollsüchtiger? Auch nicht, wenn er – als Schnäppchen oder um Porto zu sparen – gleich mehrere Schiffsladungen für zukünftige Projekte erwirbt. Es gibt ja auch so etwas wie eine Notbremse – ebay genannt –  wo man überschüssige, nicht mehr in Schränke und Regale passende Knäule – zumeist höchst ungünstig – wieder loswerden kann.

Nun ja, stimmt.

Es soll ja auch Menschen geben, die schon einmal einen Sechser im Lotto hatten.

Wollknäul und Seidengarn

Wollknäul und Seidengarn

Wie erkennt man, ob man bereits wollsüchtig ist?

Nach jahrelanger Forschung ist es  Frau Holle (die Frau spinnt schon seit Grimms Zeiten) und mir (als willensschwache Testperson) gelungen, einen wirkungsvollen Schnelltest zu entwickeln, der ein unzweideutiges, unumstößliches und absolut zuverlässiges Ergebnis liefert.

Das im Stil eines Selbsttests entwickelte Verfahren kann zu jeder Tageszeit, nüchtern oder auch leicht angezwitschert, allein oder in Gesellschaft durchgeführt werden.

Für den Fall eines positiven (im Sinne von süchtig) und daher negativen (im Sinne von oh,  Mann, ich hab´s gewusst) Ergebnisses empfiehlt es sich, vor Beginn des Tests ein Stärkungsmittel bereit zu stellen.

  1. Wie viel (in km nicht in kg) zu verstrickendes Material haben Sie bereits für zukünftige Projekte gelagert?0 – 2        (0)
    mehr als 2, weniger als 5        (1)
    mehr als 5       (2)
  2. Wie oft haben Sie im letzten Monat beim harmlosen Herumsurfen Projekte gefunden, für die sie unbedingt noch die passenden Garne bestellen mussten?keines bis eines       (0)
    (zwei- bis dreimal)       (1)
    (mehr als dreimal)       (2)
  3. Bei wie vielen Online-Anbietern haben Sie im letzten Monat ein neues Konto eröffnet?bei keinem,
    ich kauf nur beim Wollhändler meines Vertrauens      (0)
    bei einem oder zwei      (1)
    kann ich gar nicht mehr aus dem Stegreif sagen,
    bei drei, mindestens      (2)
  4. Wie viele Paar  Socken lassen sich aus den von ihnen bereits gekauften handgefärbten Edelgarnen herstellen?1 Paar        (0)
    2 – 5 Paar       (1)
    mehr als 5 Paar       (2)
  5. Wie oft ziehen Sie selbst diese Art von Socken an?
    (das An- und Ausziehen zum Zwecke des Abfotografierens nicht mitgerechnet)trage sie ständig       (0)
    ab und an      (1)
    so gut wie nie, dafür sind sie zu schade        (2)
  6. Haben Sie schon Wolle gekauft und sie dann heimlich im Schrank versteckt, um unangenehmen Fragen oder Sticheleien Ihrer Lieben aus dem Weg zu gehen?noch nie        (0)
    was heißt versteckt, hab halt gleich aufgeräumt       (1)
    mach ich oft, um nicht zu sagen immer        (2)
  7. Haben Sie schon einmal ein Wollpaket erhalten, bei dem Ihnen beim besten Willen nicht mehr eingefallen ist, für welches Projekt es vorgesehen war?ich weiß immer, was und wofür ich es bestellt habe       (0)
    ist mir auch schon mal passiert       (1)
    da die Projekte meist nur wage geplant sind,  sehr oft      ( 2)
  8. Wie viele Strickstücke haben Sie gleichzeitig auf den Nadeln?immer nur eines, erst wenn es fertig ist,
    ange ich ein neues an       (0)
    zwei: ein schwieriges, das Konzentration erfordert,
    und ein leichtes,  so zum Nebenherstricken        (1)
    mindestens drei, nicht mitgerechnet die
    –  fast fertigen, aber noch nicht zusammengefügten
    –  falsch bemessenen, die auf das Auftrennen
    bzw. Neustricken warten
    –  angefangen wurde, mit Sicherheit aber
    nicht mehr fertiggestellt werden      (2)

Sockenwolle purpurblau

Testauswertung

0-5
Warum haben Sie diesen Test überhaupt gemacht?
Sie glauben diesen Quatsch mit der Wollsucht ja sowieso nicht.

6-10
Alles in Ordnung.

Sie helfen zwar mit,die Innenkonjunktur stabil zu halten,
besitzen aber noch genügendSelbstdisziplin um einen
Kaufrausch nicht mit dem nächsten zu bekämpfen.
Um Sie muss ich mir keine Sorgen machen.

11-16
Bei Ihnen ist Hopfen und Malz verloren.
Bei einer durchschnittlichen Strickgeschwindigkeit von 20 m in der Stunde und einer angenommenen Strickzeit von 2 Stunden am Tag sollten Sie entweder dringend in Ginseng, Selen und sonstige lebensverlängernde Mittel investieren oder in ihrem Testament die gerechte Aufteilung Ihrer Wollschätze rechtzeitig verfügen.

Sockengarn und Orchidee - ein Stilleben